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Musiktherapie im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg

Klänge gegen Angst und Schmerzen

 

Elternvereine “Aktion für krebskranke Kinder Heidelberg e.V.” und “Verein für Krebskranke Kinder Odenwald e.V.” finanzieren weitere drei Jahre eine Musiktherapeutin für das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg

Musiktherapie

 

“Bruder Jakob” ist Selmas Lieblingslied. Die Dreijährige, die an Leukämie erkrankt ist und am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg behandelt wird, wünscht es sich regelmäßig in den Liederrunden mit Musiktherapeutin Christiane Wilmers – Chemotherapie und Kranksein sind dann für einen Augenblick vergessen. Möglich macht dies die großzügige Unterstützung der beiden Elternvereine “Aktion für krebskranke Kinder Heidelberg e.V.” und “Verein für Krebskranke Kinder Odenwald e.V.”. Sie finanzieren gemeinsam seit 2009 und nun für weitere drei Jahre die halbe Stelle der Musiktherapeutin in der onkologischen Abteilung der Kinderklinik. Dort bietet Christiane Wilmers Einzel-Therapiesitzungen für stationär behandelte Kinder und Jugendliche sowie die wöchentlichen Liederrunden für alle kleinen Patienten an, die Spaß am gemeinsamen Singen haben.

 

Für Selma ist das Singen fester Bestandteil ihrer Klinikbesuche. “Das tut ihr gut, danach möchte sie gerne noch weitersingen”, berichtet ihre Mutter. “Das gemeinsame Singen gibt ihr das Gefühl, dass trotz ihrer Erkrankung und Behandlung ‘normale’ Dinge immer noch wichtig sind.” Schön findet sie es zudem, dass Christiane Wilmers zur Musiktherapie ins Krankenzimmer kommt, wenn es Selma zwischendurch schlechter geht und sie das Bett nicht verlassen kann. “Wir freuen uns sehr, dank der langjährigen Unterstützung durch die beiden Elternvereine unseren Patienten diese besondere Therapie anbieten zu können. Sie wird sehr gerne angenommen und verbreitet häufig eine lebensfrohe Stimmung in den Krankenzimmern. Wir danken dafür herzlich”, so Professor Dr. Andreas Kulozik, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Onkologie, Hämatologie, Immunologie und Pneumologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin.

 

Musik gibt Raum für das, was gerade ansteht

 

In welche Richtung die Einzel-Therapie am Krankenbett geht, bestimmt der Patient. Je nach Bedürfnis kann sie ein Ventil für die wortlose Auseinandersetzung mit der Erkrankung oder eine kleine Auszeit vom Klinikalltag sein. “Die Musik gibt Raum für das, was gerade ansteht: Sie kann trösten, ermuntern, beruhigen oder einfach nur erfreuen und ablenken”, beschreibt Christiane Wilmers. “Wenn Worte nicht passen, die Musik passt noch.” Gemeinsam mit den jungen Patienten versucht sie in jeder Therapiestunde herauszufinden, welches Instrument oder welcher Klang momentan gut tut, zur Stimmung passt oder Gefühle widerspiegelt. “Im musikalischen Spiel beschäftigen sich die Patienten über Worte hinaus mit ihrem aktuellen Befinden oder ihrer Situation. Das muss sich nicht gut oder harmonisch anhören”, sagt sie.

 

Besonders die kleinen Patienten probieren gerne spontan und kreativ aus, was mit den Instrumenten alles möglich ist. In der Musiktherapie dürfen sie einmal den Ton angeben und, wenn sich z.B. zwei Trommeln unterhalten, bestimmen, wie sich das “Gespräch” entwickelt. Auch bekannte Kinderlieder locken so manchen zunächst noch skeptischen Patienten aus der Reserve und vertreiben Angst und Beklemmung. Eines ist der Therapeutin jedoch wichtig: “Musiktherapie ist immer ein Angebot. Die Kinder dürfen mich wegschicken, wenn sie sich gerade nicht darauf einlassen können oder möchten.” Wenn es den jungen Patienten nicht gut geht, singt oder musiziert die Therapeutin auch einmal nur zur Entspannung für die Kinder und Jugendlichen.

 

Musiktherapie unterstützt die körperliche und geistige Entwicklung

 

Die hochwertigen Instrumente wurden ebenfalls von den Elternvereinen finanziert. Sie müssen sich gut desinfizieren lassen, denn krebskranke Kinder sind während der Chemotherapie besonders anfällig für Infektionen. Dies gilt insbesondere nach einer Stammzelltransplantation: Die Patienten dürfen das Krankenzimmer häufig wochenlang nicht verlassen, auch Besuch ist nur sehr eingeschränkt möglich. “Das ist für die Kinder extrem belastend. Die Musiktherapie ist da meist eine willkommene Abwechslung und kann auch helfen, sich mit der Situation auseinander zu setzen”, so Wilmers. Bei Kindern mit neurologischen Schwierigkeiten durch einen Hirntumor übernimmt die Musiktherapie noch eine weitere wichtige Funktion: Im spielerischen Ausprobieren der Instrumente trainieren die Kinder z.B. die koordinierte Bewegung der Hände. “Auch bei Kindern, die durch die Erkrankung in ihrer geistigen oder körperlichen Entwicklung zurückgeworfen sind, wirkt sich diese sogenannte neurologische Musiktherapie positiv aus”, erklärt die dafür speziell geschulte Therapeutin.

 

Verein setzt Spendengelder für vielfältige Projekte ein

 

Der Verein für Krebskranke Kinder Odenwald e.V. unterstützt seit 2002 neben der Musiktherapie auch die Klinik-Clowns am Zentrum für Kinder- und Jugendtherapie. Zudem erhalten betroffene Familien bei Bedarf finanzielle Hilfe, um z.B. mit dem kleinen Patient und den gesunden Geschwisterkindern gemeinsam in Urlaub zu fahren – für Familien und insbesondere die Geschwister eine Wohltat in dieser belastenden Situation. Auch Forschungsprojekte am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin werden gefördert.